Wanderfahrt im Weichseldelta


Regen Zuspruch fand die Wanderfahrt in der vorletzten Juliwoche, die Peter Lenort organisiert hatte: Vom 22. - 27. Juli befuhren wir im ehemaligen Ostpreußen nicht nur die Weichsel, sondern auch einen Nebenarm, der ins Frische Haff mündet.

Die Anreise erfolgte bereits am Sonntag, den 21. Juli, über Frankfurt/Oder, wo wir im Hotel "Zur alten Oder" übernachteten. Es erschien uns zu anstrengend, die Nacht durchzufahren, weshalb wir den Zwischenstopp einlegten. So bot sich uns die Gelegenheit, am Montag morgen noch einen kleinen Spaziergang durch Frankfurt/Oder zu machen, ehe wir uns auf den Weg nach Grudziadz (Graudenz) machten.

Gegen 16:30 Uhr erreichten wir Gruziadz, wo wir von unserem Tourleiter Lukasz Kaczmarek herzlich empfangen wurden. Hilde und Christian waren bereits da, sie waren bereits eine Woche vorher nach Polen gefahren und hatten jetzt Karlheinz Laube und Helga von Frauenruderclub am Wannsee vom Bahnhof abgeholt. Hinzu gesellten sich noch acht Ruderinnen und Ruderer vom Regensburger Ruderverein sowie Astrid und Petra vom Ruderverein Hanseat Hamburg und last but not least Gisela aus Bremen.

Nach der Begrüßung wurden die Boote aufgeriggert, die Rollsitze und die Stemmbretter montiert und die Bodenbretter eingelegt. Es handelte sich um Holz-Gig-Boote älterer Bauart, gerudert werden sollte mit Holzskulls. Danach ging es ins Hotel zum gemeinsamen Abendessen. Während des Abendessens gab Lukasz den Ablauf des ersten Rudertages bekannt und wies auf die Dinge hin, die auf der Weichsel zu beachten sind.

Am Dienstag morgen erfolgte die Bootseinteilung, und etwa um 10 Uhr legten vier Doppelvierer mit Steuermann und ein gesteuerter Doppelzweier in Sichtweite der Weichselbrücke ab. Die Temperaturenwaren angenehm, doch es herrschte Gegenwind, der im Laufe des Tages immer wieder unangenehm auffrischte und das Fortkommen erschwerte. Zudem mussten wir wegen möglicher Sandbänke sehr häufig von einer Stromseite zur anderen wechseln. Die erste Etappe ging über 42 km, unsere Mittagspause fand auf dem Wasser statt. Schwierig gestaltete sich die Suche nach geeigneten Anlegestellen, wenn ein gewisses Bedürfnis einfach zu stark wurde. Aber wir fanden meistens eine kleine sandige Stelle zum Anlegen. Am Ende des ersten Tages zog sich das Feld weit auseinander als Folge des heftigen Gegenwindes, der doch sehr viel Kraft gekostet hatte.

So waren wir froh, als wir die kleine Einfahrt bei Gniew (Mewe) erreichten. Dort stand noch eine Führung durch die Deutschordensburg, die im 13. Jahrhundert erbaut worden war, auf dem Programm, ehe wir uns im zum Abendessen trafen.

Am Mittwoch verließen wir nach einigen Kilometern die Weichsel und bogen ab in die Nogat, wo wir 2 Schleusen zu bewältigen hatten. Die Nogat ist ein Mündungsarm, der durch unberührte Wildnis führt. Merkwürdigerweise entdeckten wir kaum Wasservögel, auch andere Vögel waren nur selten zu sehen. Fast überall am Ufer stand Röhricht, so dass ein Anlegen unmöglich war. Offenbar war die Etappe etwas länger als in der Beschreibung angegeben, denn wir erreichten Marienburg mit einiger Verspätung. So musste in aller Eile geduscht werden, damit nach einer nahrhaften Suppe noch die Marienburg besichtigt werden konnte.

Die Marienburg ist eine Ordensburg und war von 1309 bis 1454 Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens im Deutschordensstaat. Seit 1997 zählt die Marienburg zum Weltkulturerbe der UNESCO. Von unserem sehr gut deutsch sprechenden Führer erfuhren wir sehr viel Interessantes über die Entstehung der Burg, wie die Menschen damals lebten, welchem Zweck sie diente, dass sie im Laufe der Geschichte mehrmals ihre Zugehörigkeit wechselte, immer wieder restauriert wurde, wer dort gelebt hatte. Wir alle waren beeindruckt von der Lebensweise der Menschen im Mittelalter und der Leistung, die sie mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln vollbracht hatten. Unser Führer hätte noch viel mehr erzählen können, doch die Besuchszeit neigte sich dem Ende zu. Zum Schluss führte er uns noch durch die im Krieg zerstörte Marienkirche, die, wie jetzt erst beschlossen wurde, in den nächsten Jahren auch wieder aufgebaut werden soll.

Nach dem Besuch der Marienburg machten wir uns einen gemütlichen Abend an Bord einer schwimmenden Kneipe.

Am Donnerstag ruderten wir an der Marienburg vorbei, die sich in der Morgensonne präsentierte und folgten der Nogat bis nach Elbing. Wie schon am Vortag genossen wir die Ruhe in der Natur. Einziges Manko waren erneut die schlechten Anlegemöglichkeiten, was in einigen Fällen doch zu Unmut führte. Gegen Ende der Etappe fuhren wir in einen Verbindungskanal zwischen Nogat und dem Elbingfluss und erreichten Elbing am späten Nachmittag. Diese Etappe erschien uns ebenfalls länger zu sein als ausgeschrieben. Neben dem Segelhafen stand noch ein altes Lagergebäude, auf den noch in verblasster Schrift das Wort "Hafengesellschaft" zu lesen stand. Nach dem Abendessen im Segelclub zeigte uns Lukasz, wie man Wodka richtig trinkt. Es wurde ein feuchtfröhlicher Abend und siehe da, am nächsten Morgen klagte niemand über Kopfschmerzen.

Freitags setzten wir unsere Fahrt Richtung Frisches Haff fort. Dabei passierten wir den sogenannten "Grünen Teppich", eine mehrere Hektar große, von Seerosen bedeckte Wasserfläche. Mehrmals durchquerten wir auch Bereiche, in denen die Wasseroberfläche aussah wie Erbsensuppe. Zur Mittgaspause legten wir am Strand von Tolkmicko an, wo sich auch ein kleines Strandrestaurant befand. Unglücklicherweise schnitt sich Charlotte beim Anlanden der Boote den Fuß auf. Unser medizinisches Personal (Ilona und Hilde) versorgten die Wunde fachgerecht mit den zur Verfügung stehenden Mitteln.

Nach der Mittagspause fuhren wir übers Frische Haff Richtung Frombork (Frauenburg). Lukasz hatte uns eingeschärft, nicht zu nahe am Ufer zu fahren wegen der Sandbänke und immer wieder die Wassertiefe mit den Paddelhaken zu messen. Doch das eigentliche Problem war der zunehmend auffrischende Wind. So mussten wir gegen den Wind und die Wellen rudern, die häufig in die Boote schwappten. Das zwang uns, anzuhalten und Wasser zu schöpfen, was ein Fortkommen deutlich erschwerte. Jedes Boot fand seine eigene Methode, damit fertig zu werden. Am besten kam der Doppelzweier zurecht, das kürzeste Boot, das Formbork zuerst erreichte. Die Mannschaft bat ein Motorboot, nach den anderen Booten zu schauen, weil die Wasserverhältnisse doch sehr schwierig waren und der Sichtkontakt verloren gegangen war. Doch nach und nach erreichten auch die vier Doppelvierer den rettenden Hafen.

Dort wurden die Boote abgeriggert und verladen, denn am Samstag stand nur noch Sightseeing auf dem Programm. Nach dem Abendessen bedankten sich die einzelnen Teilnehmergruppen bei Lukasz und seinem Vater für die gelungene Wanderfahrt und die gute Betreuung mit einem kleinen Geschenk.

Am letzten Tag stand als letzter Programmpunkt die Besichtigung der Kathedrale von Frombork an. Dieser Kathedrale stand einst Nikolaus Kopernikus als Domherr vor. Das Innere präsentiert sich vorwiegend in barocker Form, da in den Jahrhunderten davor der Dom sowohl von den Polen als auch den Schweden mehrfach geplündert worden war. Die im Dom befindliche Orgel wurde von einem Danziger Orgelbaumeister erbaut und genießt heute Weltruhm. Zum Abschluss bestiegen wir den Turm der Domburg, wo eine Ausstellung über Kachelöfen und ein Foucault'sches Pendel zu sehen waren. Oben genossen wir die Aussicht über die herrliche Landschaft des Frischen Haffs. Kurz nach 12 Uhr brachte uns ein Bus von Frombork zurück nach Graudenz, von wo wir uns endgültig auf die Heimreise Richtung Fankfurt/Oder machten. Nach einer erneuten Übernachtung im Hotel "Zur alten Oder" (Schnakenplage inbegriffen) trafen wir am Sonntag nachmittag wohlbehalten in Rheinau ein.

Damit endete eine nicht nur von der Landschaft her einmalig schöne Wanderfahrt, sondern auch vom kulturellen Angebot, das immer einen Ausflug in die deutsche Geschichte beinhaltete.

Danke Lukasz, danke Grzegorz (Papa).

Teilnehmer: Marianne und Peter Lenort, Charlotte und Horst Weinelt, Ilona Hasper und Detlef Ostheimer, Karlheinz Laube, Hilde Liedloff und Christian Groh, Bernhard Tunkl