Philipp Genazino wird 80


Zu der Zeit, als die ersten Arbeiter auf dem Graßmannsteg den Rheinauhafen überquerten und die ersten Häuser der Casterfeldsiedlung bezogen wurden, erblickte ein kleiner Bub am 25. November vor 80 Jahren im Luisenheim beim Jungbusch das Licht der Welt.

Nicht nur bei seiner Geburt sollten die Mannheimer Hafengebiete und das Wasser eine große Rolle spielen, sondern auch später, als er zu einem stattlichen Mann herangewachsen war.

Während die Mutter des kleinen Philipp, Luise Rossrucker, aus der bekannten Wirtsfamilie des „Zähringer Löwen“ in der Relaisstraße 11 entstammt, kamen die Vorfahren seines Vaters aus der Gegend des Comer Sees und ließen sich 1795 in Mannheim nieder.

Aufgewachsen auf dem Lindenhof und bis zum Ende des Krieges ins Elsass evakuiert, zog er anschließend mit seinen Eltern nach Rheinau. Mit der im Lessing-Gymnasium erworbenen mittleren Reife im Rücken begann Philipp Genazino nach einer Lehre bei der MWM im Jahr 1958 ein Maschinenbaustudium an der Fachhochschule Mannheim, das er als Diplomingenieur abschließen konnte. Seine berufliche Karriere führte 1961 bei Giulini in Ludwigshafen als Konstruktions-, Planungs- und Montageingenieur, über den Leiter der technischen Lizenzabteilung bis zum Projektingenieur. Im Jahr 1988 übernahm er bei der Deutschen Gelatine AG in Eberbach bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 die Stelle des leitenden Sicherheitsingenieurs.

Doch dann fühlte sich Genazino noch zu jung zum Rentnerdasein, trat als selbstständiger freiberuflicher Sicherheitsingenieur eine Stelle als Dozent bei der Berufsakademie an und ließ auch noch mehrere Jahre junge Leute an seiner reichen Erfahrung teilhaben.

Seine ganze Begeisterung galt seit dem Eintritt in die Rudergesellschaft Rheinau anno 1953 dem Rudersport. Einerseits als ausübender Sportler, wobei er auf Regatten im Einer und Achter insgesamt 23 Siege für seinen Verein errang, und andererseits als Funktionär. Nach verschiedenen Ämtern übernahm Philipp Genazino 1971 die Vereinsführung für die nächsten 25 Jahre, in denen 3 größere Bauvorhaben, verschiedene Verbandsaufgaben und viele große Veranstaltungen seine ganze Energie forderten. Auch die großen sportlichen Erfolge der 80er Jahre von Frank Schäfer, Volker Franz, Thomas Dresel und vielen anderen Nachwuchsruderern wären ohne das Engagement des heutigen Jubilars nicht denkbar. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen 30 Jahre lang an den jährlichen großen Wanderfahrten der Alten Herren auf der Donau, in Polen, auf italienischen und bayrischen Seen teilzunehmen.

Zahlreiche weitere gemeinnützige Aufgaben in 9 Vereinen und Institutionen als Kirchenältester, Ortsbeauftragter des THW in Eberbach und als Kassenwart des Fördervereins Parkschwimmbad waren dem Jubilar eine Herzenssache, die mit der Ehrenmitgliedschaft und der Ehrennadel „seiner“ Rudergesellschaft, der Sportplakette der Stadt Mannheim, der Ehrennadel des Landesruderverbandes, verschiedener Ehrungen der Sandhasen und der Urkunde „verdienter Rheinauer Bürger 2004“ des Gewerbevereins gewürdigt wurden, um nur einige zu nennen.

Philipp Genazino ist trotz seiner italienischen Vorfahren nicht nur ein urdeutscher Rheinauer, sondern auch ein überzeugter Pazifist und heimatliebender Kurpfälzer, dem das Gemeinwohl Verpflichtung ist.

Einen großen Einschnitt in seinem Leben bildete der Tod der geliebten Ehefrau Ute vor einigen Jahren. Nach langen Monaten der Trauer ließ er alte Kontakte zu einer Ruderkameradin von Ute, die in Wilhelmshaven wohnte, wieder aufleben und zog zu ihr in den Norden. Hier ist er vor einigen Wochen nun mit seiner Karin zum zweiten Mal in den Hafen der Ehe, diesmal an der Nordseeküste, eingelaufen. Trotzdem hat er immer noch eine Wohnung auf dem Pfingstberg, in der das Ehepaar mehrere Wochen des Jahres verbringt, um Begegnungen mit „alten Rheinauern“ und Gefährten aus seiner Rudergesellschaft Rheinau zu genießen.

Den runden Geburtstag feiert er mit seiner Tochter, seinem Sohn und den Enkeln und auch mit seinen Ruderkameraden, die ihm wohl zur Feier des Tages sein Lieblingslied, nämlich das „Badner Lied“ singen werden.