Wanderruderfahrt nach Bremen


Samstag, 18.07.: Anreise

Seit zwei Jahren wurde darüber gesprochen eine Ruderwanderfahrt nach Bremen zu machen. Jetzt war es so weit. Bei bester Laune und schönstem Wetter fuhren wir pünktlich und vollzählig von unserem Bootshaus los. Die Fahrt ging über die schöne Sauerlandlinie. Bei Lüdenscheid, circa die Hälfte des Weges, hielten wir an, um ein Picknick zu machen. Gestärkt ging es weiter und mit "Stopp and Go" sind wir gegen Nachmittag im Hotel angekommen. Im Anschluss wurde sogleich eine Rathaus- Besichtigung unternommen. Das Rathaus besteht aus einem neuen und alten Teil und wurde 2004 zum UNESCO- Weltkulturerbe erklärt. Eine Ruderkameradin von unserem Gastgeberruderverein BRC Hansa, die dort angestellt ist, führte uns nach Feierabend durch die Gebäude. Im Erdgeschoss die Wandelhalle: groß, hell und mit schwarz-weißem Marmor. In diesem Rathaus wird die Stadt und das Land Bremen durch den Senat regiert. Besonders erwähnenswert: in Nepal wurde ein 160 Quadratmeter großer, 800 Kilogramm schwerer und 14 Meter langer Teppich im Auftrag der Stadt Bremen geknüpft und nach Fertigstellung von 40 Bremer Ruderern in den Senatssaal getragen. Entdeckt haben wir im Senatssaal auch ein kleines Spendenschiffchen für Schiffbrüchige. Wenn sich ein Senator während einer Sitzung im Ton vergreift oder das Handy klingelt, wird zur Strafe eine Spende fällig. Darüber sollte man mal nachdenken. Schön ist auch die obere Rathaushalle. Früher tagte dort der Rat der Stadt. Heute wird sie als Festsaal genutzt. Weitere Räume wurden von uns besichtigt. Über die Breminale, ein eintrittsfreies Kulturfestival entlang der Weser, sind wir im "Ambiente" Lokal den ersten Tag zum Abendessen gemütlich zusammen gesessen. Heute wie auch an den kommenden Tagen sollten nicht Wetter, (Ruder-) Strecke oder gar Laune unseren Zeitplan bestimmen, sondern der Mond in Gestalt von Ebbe und Flut - die Tide, wie es in Norddeutschland heißt. Zum Glück hieß das nicht immer so zeitig aufstehen zu müssen wie heute. Kurz nach 8.00 Uhr trafen wir uns mit unserem Wattführer, der uns über das Meer zur Insel Neuwerk begleiten sollte. Eine bunt gewürfelte Gruppe aus uns Ruderern, einer Familie aus Bonn und einer Schulklasse Halbwüchsiger.

 

Sonntag, 19.07.: Wattwanderung nach Neuwerk

Grausam früh mussten wir los, und das auch noch ohne Frühstück! Lunchpakete mit in Plastikfolie eingewickelten Brötchen, Banane, Apfel und Apfelsaft sind keine wirkliche Alternative zum Hotelfrühstück mit Müsli, Quark, Obstsalat, knusprigen Semmeln, Kaffee und Orangensaft. Um 6.45 Uhr liefen wir am Hotel los zu unseren Autos, die am BRC Hansa abgestellt waren. Ein kleiner Umweg zum Werdersee – unser Ausflug begann mit einer halben Stunde strammen Marschierens. Kühl war es, und es begann auch noch zu nieseln. Am Ruderverein hatten wir uns mit Gisela Temme vom BRC Hansa und den vier Schweizer Ruderkameraden verabredet, die wir gestern schon bei der Rathausführung kennengelernt hatten. Gisela würde auch uns bei unserer Tour begleiten. Gemeinsam fuhren wir an die Nordsee nach Cuxhaven-Sahlenburg. Mittlerweile regnete es und wir fanden es herrlich. Zuhause in Mannheim waren die letzten Tage brütend heiß gewesen mit Temperaturen um 40°. Hier freuten wir uns an um die 20°. Hilde schwelgte in Kindheitserinnerungen von Wind und dramatischen Wolkenformationen vor Himmel in wechselnden Farben. Unser Führer Thomas (im richtigen Leben Marineflieger) erwies sich als Glücksfall. Kompetent erklärte er uns das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Flache Küste, vorgelagerte Inseln im Zusammenspiel mit Ebbe und Flut bilden Sandwatt, Mischwatt, Schlickwatt. Im Sandwatt kam man gut vorwärts, im Mischwatt war es schon anstrengender. Ins Schlickwatt, in dem man tief versinken könnte, wagten wir uns nicht. Das Watt beeindruckte mit seiner Artenvielfalt (20 Millionen Organismen in 1 Kubikmeter Boden). Kein Schritt war möglich, ohne fremdes Leben zu stören. Die Überlebenskünstler unter ihnen (Wattwürmer, Pfahl- und Herzmuscheln, Krebse ) hatten es unserem Führer besonders angetan. Wir begriffen die Kraft der Priele (Wasserstraßen, die sich stets zuerst füllen) und begutachteten Rettungskäfige (jetzt bei Ebbe zwei Meter über Grund), in die man sich bei aufziehender Flut flüchten könnte, so lange bis die Seenotrettung zu Hilfe eilen würde. Dennoch ertrinken jedes Jahr Menschen im Wattenmeer, die die Natur nicht ernst nehmen. Wir befanden uns in guter Hut. Mittlerweile hatte es sogar aufgehört zu regnen. Es ging munter voran. 10 Kilometer über das Meer waren rasch zurückgelegt. An der Rampe auf Neuwerk konnten wir später beobachten, wie schnell das Wasser mit der Tide zurückkommt. In einer traditionellen Gaststätte auf der Insel aßen wir zu Mittag, die meisten Fisch und Nordseekrabben (klitzeklein und sehr aromatisch) wie in den nächsten Tagen noch öfter. Besonders der Matjes war in allen Variationen feiner als je anderswo gegessen. Unser Führer vom Vormittag hatte vorgeschlagen, sich nachmittags zu einem geführten Inselrundgang zusammen zu finden - für interessierte Kreise und außerhalb des „offiziellen Teils“. Neuwerk mit seinen aktuell 36 Einwohnern ist - obwohl 100 Kilometer vom Zentrum entfernt und durchs Meer getrennt– tatsächlich ein Stadtteil Hamburgs. Der Wehr- und Leuchtturm dort wurde 1299 begonnen und ist seit 1310 in Betrieb. Während der napoleonischen Kriege sollte er wie andere die feindliche englische Seefahrt begünstigenden Bauwerke an der Nordsee geschleift werden. Ein wiederborstiger französischer Offizier weigerte sich und so steht auf der kleinen Insel das älteste Bauwerk Hamburgs! Ein Schulgebäude gibt es auch noch und in drei Jahren auch wieder einen ABC-Schützen. Dann muss für diesen einzigen Schüler ein Lehrer auf die Insel abgeordnet werden. Mit der Ebbe hatten wir die Insel fußläufig erreicht, mit der Flut brachte uns ein Schiff zurück zum Festland, mit gefühlten Umwegen, geschuldet der Wassertiefe, die das Schiff für sein Fortkommen benötigte. Weiter ging es mit dem Bus zu unseren Autos und zurück zum Ruderverein, dann zu Fuß in unser Hotel, diesmal auf direktem Wege. Eine Wanderfahrt eben. Hilde hatte uns ein formidables 4-Sterne-Hotel im Zentrum von Bremen direkt an der Weser ausgesucht: schwarz geflieste Bäder mit Glaswand zum Schlafbereich, Lichtervorhang und Heimtrainer im Zimmer von Jürgen und Ralf, mit Kuhfell bezogene Stühle oder Plastikschalen als Sitzgelegenheit. Außerdem hatte das Hotel einen Wellnessbereich. Den suchten wir an diesem Abend heim. Essen mochte niemand gehen. Stattdessen vergnügten sich die einen in Dampfbad oder Schwimmbecken, die anderen in der finnischen Sauna. Schön war's! Wieder kamen wir wie an den folgenden Tagen noch oft viel zu spät ins Bett. Ach so: Will eigentlich irgendjemand auf einer Wanderfahrt schlafen?

 

Montag, 20.07.: Erster Rudertag 

Heute sollte also unser erster Rudertag werden. Doch bis wir in die Boote kamen, sollte noch einiges Wasser die Weser hinab- und vor allem hinauf fließen. Denn Gott sei Dank zwang der Tidenkalender unsere immer auf einen frühen Aufbruch bedachte Gisela zu einem moderaten Startzeitpunkt. Und so konnten wir zum ersten Mal das Frühstück im Hotel genießen. Unerfahren wie wir waren, wählten wir einen Platz nahe der Tür, was bei den kälteempfindlichen unter uns schnell zu Missempfindungen führte. Diesmal kannten wir den Weg zum Ruderverein ja schon, und so liefen wir ohne weitere Stadtführung weseraufwärts und erreichten daher pünktlich das Bootshaus des BRC Hansa. Keineswegs pünktlich erreichten wir allerdings Gisela, die darauf beharrte, dass wir als Treffpunkt nicht den Parkplatz des Rudervereins ausgemacht hatten, sondern das Fahrtenbuch. Nach einer Weile fanden wir aber auch dieses und nach einer kurzen Einführung ins Rudergewässer und den üblichen Vorbereitungen stiegen wir alle- mittlerweile gierig nach Bewegung- in die beiden Boote. Mit der Tide ging es- von einzelnen Turnübungen abgesehen- rasch die Weser hinab, die uns mit vielen Hafen - und Industriestandorten eine eher herbe Schönheit zeigte, die uns Rheinauern aber auch ein gewisses Heimatgefühl erlaubte. Mit dem Erreichen der Lesummündung wendete sich auch die Tide kurz gegen uns, und hier konnten die Rheinsteuerleute ihre Strömungserfahrung ausspielen. Schon wenige Kilometer weiter erreichten wir den schützenden Hafen, aber noch keineswegs die Mittagsrast. Denn zumindest für ein Boot stand zwischen beiden noch ein Motorbootsteg, der zunächst bezwungen werden wollte. Dieser war hoch, schmal und schwankend, doch mit vereinten Kräften haben wir nach und nach die ganze Mannschaft an Land gebracht. Nachdem all diese Abenteuer glücklich überstanden waren, hatten wir uns eine Mittagsrast im nahegelegenen Biergarten redlich verdient, zumal wir ohnehin warten wollten, bis das Wasser wieder bergan floss. Für besondere Erheiterung sorgte eine lokale Spezialität: der Espresso wird hier im Gedeck zusammen mit einem leeren Wasserglas serviert. Erholt und guter Dinge ging es sodann wieder zu den Booten, und das Einsteigen- sei es den genossenen Getränken, der Erholung oder der Übung zuzuschreiben- ging schon sehr viel schneller als das Verlassen der Boote. Mit der Strömung ging es nun lesumaufwärts, und für die allermeisten von uns dürfte es sechs Kilometer später das erste Mal gewesen sein, dass sie einen Fluss komplett von der Mündung bis zur Entstehung (also sogar flussaufwärts) berudert haben (denn Wo Hamme sich und Wümme küssen Sie ihre Namen büßen müssen, Und hier entsteht durch diesen Kuss Bremisch bis Vegesack der Lesum Fluss.) Bald darauf erreichten wir die denkmalgeschützte Ritterhuder Schleuse, die uns bereits mit offenem Tor erwartete. Leider 10 Minuten nach Wassergleichstand, so dass wir tatsächlich eine Hand breit abwärts geschleust wurden, ehe wir unsere Fahrt auf der nun sehr ruhigen Hamme fortsetzen konnten. Eine halbe Stunde später erreichten wir nach insgesamt 37 Kilometern das Bootshaus in OSCH, wo wir sehr freundlich empfangen wurden. Trotzdem war unseres Verweilens nicht lange, denn schon nach wenigen Schwimmminuten und mehreren Toilettenbesuchen kamen zwei Taxen, die uns zum Bahnhof nach Osterholz-Scharmbeck brachten. Zum Ausklang des Tages hatte unsere hervorragende Fahrtenleitung einen Tisch in der Gaststätte „Kleiner Olymp“ reserviert. In besonders lustiger Runde genossen wir hier viel Fisch und nicht minder viel Schnoor-Bier.

 

Dienstag, 21.07.: Zweiter Rudertag

Der vorgegebene Zeitplan wird strikt eingehalten. Frühstück ab 7:00 Uhr, 8:00 Uhr Abmarsch zum Bahnhof. Denn wir nehmen den späten Zug. Am Bahnhof Bremen warten wir auf Gisela. Die Taxis werden auf 9:00 Uhr bestellt. Reicht das, wir sollen doch schon um 08:56 Uhr ankommen. Tatsächlich haben wir rund 3 Minuten Verspätung. Ein Minute vom Bahnsteig zum Taxistand, da war 9 Uhr doch recht gut geschätzt! Wir sind jetzt in OSCH und wollen zum RV OSCH. Damit ist gemeint, dass wir uns in Osterholz-Scharmbeck befinden und zum Ruderverein des Ortes zu unseren Booten wollen. Dem Taxifahrer wird eine Kurzschulung zuteil. Es gibt nur einen Ruderverein in OSCH. Das ist wichtig, denn es gibt wohl 2 Paddelvereine. Durch Verbreitung dieses Wissens über die Taxizentrale soll für zukünftige Rudertouren die Zuverlässigkeit der Taxidienste entschieden verbessert werden. Im Nu sind wir in den Booten und rudern die Hamme stromaufwärts. Aufgrund der Ritterhuder Schleuse, welche wir gestern passierten, sind wir dem Einfluss der Gezeiten nicht mehr ausgesetzt. Aber Strömung haben wir auch keine. Es ist ein sonniger Tag und der Wind kühlt kaum. Wir rudern durch ein früheres Moorgebiet, welches über die Jahrhunderte ein wenig urbar gemacht wurde. Die flache Landschaft wird von Wiesen und wenigen höheren Bäumen und Büschen dominiert. Aufgrund der Erdkrümmung ist Bremen nicht mehr zu sehen. Unsere flotte Fahrt wird von einigen Kanuten gebremst. Wir legen unterhalb der Teufelsmoorschleuse an uns kühlen uns mit einem Eis ab. Nach der Hitze in Süddeutschland genießen wir die milde Wärme, welche für die Einheimischen kaum zu ertragen ist. Der Tisch fürs Mittagessen ist in Neu Helgoland reserviert, so dass wir zurück rudern. Natur pur trotz der Weidezäune, wie Charlotte vermerkt. Wir vertäuen die Boote in einem kleinen Hafen mit vielen nachgebauten Toorfmoorkähnen. Beim Anblick des schmucken rot-weiß-grünem Fachwerkhaus ist sofort klar, warum es Neu-Helgoland heißt! Grün ist das Land, rot ist die Kant, weiß ist der Sand, Das sind die Farben von Helgoland. Nach dem Essen ist noch viel zu erledigen und zu planen, denn wir wollen nach Mopswedel sorry Worpswede. Daher ist strukturiertes Vorgehen angesagt „Wir machen jetzt eins nach dem andern; ich gehe jetzt auf Toilette!“ Zu Fuß geht es über die Bahngleise zu dem von Heinrich Vogeler entworfenem Bahnhof. Das Gebäude ist liebevoll restauriert und jetzt ein Café. Wir schlendern durch das Künstlerdorf und bewundern die wunderschönen Häuser. Besonders fasziniert uns die „Käseglocke“, ein nach den Plänen des Architekten Bruno Taut vom Schriftsteller Edwin Koenemann erbautes hölzernes Rundhaus. Kurz wird überlegt, ob wir es auch von innen besichtigen wollen und wir entscheiden rational: das ist billiger als Kaffeetrinken und weniger harntreibend! Nach einer Stärkung im Café wandern wir zurück zu unseren Booten, um die wenigen Kilometer bis zum OSCH RV zurückzulegen. Auf den letzten Kilometer bis zum Steg liefern sich die beiden Boote ein spannendes Wettrennen, welches das kleinere Boot letztendlich souverän für sich entscheidet. Eine Abkühlung im kühlen, klaren, leicht torfigen Wasser der Hamme wäre jetzt genial, doch da ist bereits das erste Taxi zum Bahnhof da. Leider lässt der zweite Wagen auf sich warten, so dass wir den angepeilten Zug verpassen. Da es spät geworden ist, sagen wir den bestellten Tisch im „Kleinen Ratskeller“ ab. Stattdessen picknicken wir feudal am Weserufer, wenige Meter von unserem Hotel entfernt. Mit Einbruch der Dunkelheit kommen die Ratten aus ihren Verstecken, so dass wir beschließen ihnen das Weserufer zu überlassen, um zufrieden, aber auch eine wenig erschöpft ins Bett zu fallen.

 

Mittwoch, 22.07.: Dritter Rudertag

Nach einem reichhaltigen Frühstück fuhren wir mit der S-Bahn zum Bahnhof. Dort trafen wir uns mit Gisela, die sich bestens mit den Gegebenheiten der Flüsse sowie den Tiden auskannte. Mit der Bahn fuhren wir weiter nach Osterholz-Scharmbeck und von dort mit dem Taxi zum Ruderclub OSCH bei Tietjens Hütte. Dort lagen unsere Boote vom Vortag. Nach der Bootseinteilung starteten wir unsere Weiterfahrt um 9:30 Uhr auf der Hamme. Im „Vierer mit“ saßen Jürgen, Charlotte, Hilde, Gisela und Sigrun im „Dreier mit“ Detlef, Ilona, Horst und Ralf. Nach ca. 4,5 Kilometern erreichten wir die erste Schleuse „Ritterhude“. Der Schleusenwärter gewährte uns Einfahrt und beide Boote fuhren in die Schleuse. Auf Anweisung von Gisela mussten wir beim Herausfahren aus der Schleuse das am Ausgang befindliche Treibholz mit aus der Schleuse nehmen. Nach mehrmaligen Versuchen gelang uns das auch, jedoch verloren wir das Treibholz gleich nach der Schleusenausfahrt. Das zweite Boot konnte jedoch nach einem Wendemanöver das Treibholz ca. 50 Meter mit sich ziehen, so dass es nicht wieder in die Schleuse trieb. Somit war Gisela zufrieden. Danach fuhren wir noch ca. 2,5 Kilometer auf der Hamme und bogen dann links in die Wümme ab. Entlang der großen Wiesen links und rechts der Wümme erreichten wir nach ca. vier Kilometern die Schleuse „Dammsiel“. Vom Schleusenwärter erhielten wir ein Lob weil wir bereits nach 40 Minuten bei ihm eintrafen. Wahrscheinlich hat er uns mit den Kanuten verwechselt, die für diese Strecke deutlich länger brauchen. Unter erschwerten Bedingungen, verursacht durch umherfliegende Bremsen, ruderten wir auf der kleinen Wümme entlang, vorbei an den schönen Wochenendhäuschen, die sich links und rechts des Flusses befanden. Der Uferrand des Flusses war übersäht von Seerosen und an den ersten Blüten konnten wir uns bereits erfreuen. Durch diese schöne Landschaft ruderten wir bis zur nächsten Schleuse, ca. 2,6 Kilometer vor dem Torfhafen Findorff. Aufgrund eines dringenden Bedürfnisses unserer Steuerfrau mussten wir kurz vor der Schleuse anlegen und in unserem Boot zwischen Brombeerhecken ausharren. bis anschließend die vor uns liegende Schleuse von Detlef geöffnet wurde. Für Aufheiterung in unserem Boot sorgte die von Hilde an Jürgen gestellte Frage: „Was macht deine Blase?“ Jürgen antwortete darauf: „Bei mir nicht so schlimm. Ich kann ja immer und überall.“ Um ca. 13:30 Uhr erreichten wir den Biergarten im Torfhafen Findorff. Nach einem geselligen Aufenthalt und einem guten Flammkuchen, ruderten wir um ca. 15:00 Uhr weiter über den Torfkanal zur letzten Schleuse „Kuhsiel“. Den Torfkanal konnten wir nur mit „halber Kraft“ oder zum Teil nur „ohne Kraft“ rudern; der Abstand zwischen den Ruderblättern und dem Ufer betrug nur wenige Zentimeter. Die letzte Schleuse passierten wir zusammen mit zwei Kajakfahrern, und danach ruderten wir noch ca. 2,4 Kilometer bis nach Borgfeld. Somit hatten wir unser Etappenziel von ca. 30 Kilometern erreicht. Dort lagerten wir unsere Boote und fuhren mit dem Bus und anschließend mit der Straßenbahn zurück zum Hotel. Das Abendessen nahmen wir heute im Restaurant Friesenhof gegen 19.00 Uhr in der Bremer Altstadt ein. Das Essen war ausgezeichnet. Der Service ließ allerdings zu wünschen übrig. So bekamen Detlef und Jürgen ihre Hauptspeisen zusammen mit den Vorspeisen; Charlotte ihren Salat mit Lachs zuerst ohne Lachs und die Kräuterbutter von Ilonas Essen hing am Unterteller von Jürgens Hauptgericht. Ob an diesem Abend wohl nur die Auszubildenden Dienst hatten? Jedenfalls war es dem Servicepersonal sehr peinlich und Sie entschuldigten sich mit dem Vorschlag, für jeden kostenlos ein Getränk oder eine Nachspeise zu spendieren. Wir jedenfalls haben uns köstlich amüsiert. 

 

Donnerstag, 23.07.: vierter Rudertag

Nach einem ausgedehnten Frühstück ging es um zehn Uhr los mit Bus und Straßenbahn zum TUL- Kanusport an der unteren Wümme. Nach zwölf Kilometern fuhren wir in die Lesum in Richtung Vegesack zum Segelverein Grohne- Vegesack, wo wir ein leichtes Mittagessen zu uns nahmen. Danach ging es auf der Lesum weiter, bis zur Weser. Die Weser entlang Richtung Bremen. Pünktlich um 18.00 Uhr sind wir im Bremer Ruderclub Hansa angekommen. Dort wurden die Boote geputzt. Nach dem Duschen gab es auf der Bootshausterrasse noch leckere Pizza und Bier. Die Rudertour betrug 47 Kilometer. Ein toller Tag geht gut zu Ende.

 

Freitag, 24.07.: Erkundung Bremens

Nachdem wir nun vier Tage gerudert waren, wollten wir endlich noch was von Bremen sehen. So machten wir uns nach dem Frühstück auf in die Altstadt, leider ohne Jürgen, der im Hotel einen kleinen, aber garstigen Infekt auskurieren musste. Zuerst ging es auf den Marktplatz, wo wir neben dem Roland, dem Wahrzeichen Bremens, noch das Parlamentsgebäude bewundern konnten, das als Neubau architektonisch interessant ist, da es in seiner Glasfassade die alten Gebäude der gegenüberliegenden Seite des Platzes widerspiegelt. Anschließend besichtigten wir den Dom. Detlef und Ilona konnten sogleich eine private Führung organisieren: der Diakon konnte sein Glück kaum fassen, endlich einmal auf ein interessiertes Publikum gestoßen zu sein. So zeigte er uns sogar noch den Domgarten, bevor wir uns in den Bleikeller wagten. Die dort über Jahrhunderte gut erhaltenen Leichen waren schon etwas Besonderes. Nach diesem Erlebnis brauchten wir Ablenkung, die wir in der Böttcherstraße bei den "Sieben Faulen" fanden. Plötzlich entdeckte Ralf kleine Geschäfte mit leckeren Bremer Spezialitäten und Süßwaren- die Shoppingrunde war eröffnet! Einmal auf den Geschmack gekommen, setzten wir unsere Einkäufe im Schnoor fort, wo wir uns auch stärken konnten. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Hilde und Sigrun nutzten die Zeit, um das Picknick für unsere Rückfahrt zu besorgen. Um 17.00 Uhr trafen wir uns zum Highlight des Tages: eine Führung durch den Bremer Ratskeller. Die wollte sich auch Hildes Freundin Kirsten - den meisten von uns bereits von gemeinsamen Silvesterfeiern bekannt - nicht entgehen lassen und stieß zu unserer Gruppe dazu. Während wir den Erläuterungen unserer Führerin lauschten, wurden uns erlesene Weine und dazu passende exquisite Schokolade gereicht. An sich eine gute Idee, die jedoch den einen Nachteil hatte, dass es mit jedem Glas schwieriger wurde, den interessanten Ausführungen zu folgen. Besonders Sigrun und Hilde hatten zu kämpfen, waren sie doch vorher nicht mehr zum Essen gekommen. Aber auch Jürgen hielt sich tapfer, ein etwas heftiger Kostaufbau nach der soeben überstandenen Magengrippe! Nach diesen Anstrengungen hatten wir uns ein Abendessen im wunderschönen Ratskeller redlich verdient. Wir waren mittlerweile eine ausgesprochen fröhliche und ausgelassene Gruppe geworden, die unserem Kellner und den sonst eher ruhigen Bremer Gästen sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Samstag, 25.07.: Heimreise

Nach einer schönen Woche mussten wir leider am Samstag wieder nach Hause fahren. Um 10:00 Uhr fuhren wir dann los. Die ersten Kilometer noch trocken, danach aber mit böigem Wind und starkem Regen. Gegen 12:30 Uhr wollten wir eine Mittagsrast einlegen, die leider buchstäblich ins Wasser fiel; wir mussten einige Kilometer weiter fahren. Auf dem Rasthof „Katzenfurt“ konnten wir endlich doch eine einigermaßen trockene Mittagspause machen. Weiter ging’s gegen 14:00 Uhr Richtung Bootshaus, wo wir gegen 16:30 Uhr ankamen und diese schöne Wanderfahrt leider zu Ende ging.