Wanderruderfahrt nach Speyer


Was macht eine Wanderruderwartin, wenn sie kurz vorm Jahresende feststellt, dass ihr noch Kilometer zum Fahrtenabzeichen fehlen? Richtig: sie organisiert eine Wanderfahrt am 27. Dezember.

So geschehen im Jahre des Herrn 2015. Schnell waren die üblichen Verdächtigen gefragt, Verstärkung aus Germersheim organisiert, ein Tisch reserviert und um 10:15 standen fünf Menschen (Hilde, Nikoleta, Charlotte, Horst und Detlef) ruderbereit am Bootshaus. Zügig war das Boot zu Wasser gelassen, ein letzter Rollsitz organisiert und (ziemlich) pünktlich um 10:30 los gerudert.

An der Hafenausfahrt war ein Talfahrer zu sehen. "Packen wir den noch?" "Na klar, der ist noch mindestens 500 m weg." Hätten wir doch mal gewartet. Nein, nicht dass wir zu knapp vor dem Schiff hergefahren wären, das verlief völlig problemlos. Aber das Schiff fuhr weit auf der pfälzischen Seite, direkt an der Boje vorbei, und so war unser Boot eingeklemmt zwischen Boje und Ufer. Bei den derzeitigen Verhältnissen ein sehr flacher Bereich. Und dann sahen wir die Wellen des Schiffes auf uns zurollen. Ziemlich ordentliche Wellen. Flugs war das Boot parallel ausgerichtet, und die ersten beiden Wellen abgeritten. Doch die dritte Welle war der Meinung, im flachen Wasser genau an der Stelle brechen zu müssen, wo unser Boot sich befand, und sorgte dafür, dass alle schon mal ordentlich nass waren.

Die Weiterfahrt verlief kühl aber friedlich - bis zum oberen Ende der Otterstädter Einfahrt. Ein Schiff. Hatte der Obmann aus der Erfahrung gelernt, wo gerade allen wieder halbwegs warm war? Mitnichten. "Der macht doch überhaupt keine Wellen". Stimmt, außer wenn die Wellen auf das Totwasser des Altrheinarmes treffen. Urplötzlich bauten sich genau vor dem Bug zwei ordentliche Brecher auf; keine Chance mehr zu reagieren, da lief die erste schon unters Boot und brachte den Bug schön weit runter, so dass die zweite einmal übers Boot schwappen konnte. Mit gut 80 Litern Wasser an Bord wurde von unseren fünf triefnassen Helden zuerst mal der Altrhein angesteuert zum Schöpfen. Dort konnten wir noch einen stattlichen Fünfer vom Club begrüßen.

Gott sei Dank war es sonnig und warm, und bis wir unseren Weg bis Speyer - ohne weitere Zwischenfälle - fortgesetzt hatten, war allen wieder warm. Glücklich, unser Ziel erreicht zu haben, zogen sich alle erst mal um, dann wurde kurz vorgeglüht mit einer Flasche Sekt von Hilde und leckeren Weihnachtsplätzchen von Charlotte. Allerdings hatte die schöpferische Pause uns einige Zeit gekostet, und da im Anker die Küche um 2 schließt, trieb die Fahrtenleitung zur Eile.

So erreichten wir rechtzeitig den Anker, der noch ein klein wenig näher zum Speyerer Bootshaus liegt als der Domhof, und der ebenfalls mit eigenem Bier und gutem Essen aufwarten kann. Hier stieß auch Ilona zu uns, die als Ersatz für Nikoleta einsprang, die nachmittags keine Zeit hatte. Allerdings mussten wir feststellen, dass die Zubereitung des Essens hier frisch in der Küche geschieht, und da das Gasthaus gut besetzt war, dauerte das eine ganze Weile.

Das wurde erst dann zum Problem, als wir zurück am Boot feststellten, dass es schon deutlich nach halb vier war. Nun hieß es, ein wenig Eile walten zu lassen, hatten wir doch gerade noch eine gute Stunde genug Licht zum Rudern. Zum Glück war das Wetter klar und sonnig, so dass noch etwas mehr Reserve da war, und so erreichten wir nach stattlichen 65 Minuten wieder den Steg unserer geliebten Rudergesellschaft.